Rundbrief zum Schuljahr 2021/22


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Augen des HERRN durchschreiten alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind! 2. Chr. 16, 9

Ja, unser HERR sieht. „Der das Auge gebildet hat, sollte er nicht sehen?“ so steht es im 94. Psalm.

Er sieht und sah auch unseren Weg; nicht nur in der Schule. Gott weiß um unsere Gedanken und Gefühle, um unsere Sehnsüchte und Ängste. Wir sind nicht allein „Die Augen des Herrn durchschreiten und durchwandern alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“

Die Herzen stärken – darum geht es Gott. Das ist sein Versprechen für uns. Unsere Seele immer wieder neu zu stärken – dies ist sein Wille. „Chazak/ kräftigen“, ermutigen, steht da im Hebräischen. Man kann es auch ein wenig anders ausdrücken: der Herr selbst schenkt uns Widerstandskraft –  Resilienz  - so würden wir heute sagen. Ein anschauliches Beispiel für Resilienz im engeren Sinn ist die Fähigkeit eines Stehaufmännchens sich aus jeder beliebigen Lage wieder aufzurichten. Braucht man die Eigenschaft eines Stehaufmännchens in der Schule? Manchmal schon – aber nicht nur dort!

Dieses Versprechen Gottes uns zu stärken, können wir im Gebet immer wieder neu einfordern.

„Ich habe Gott heute seine Verheißungen um die Ohren geschlagen“, so sagt es Martin Luther einmal. Genau das dürfen wir auch tun! Jeden Tag aufs Neue.

Weiter geben möchte ich Ihnen ebenso einige Beobachtungen  des Pädagogen Dr. Andreas Feindt vom Comenius Institut in Münster. Feindt hat bei seinen Untersuchungen zum Religionsunterricht festgestellt, dass Schülerinnen und Schüler in den folgenden Bereichen häufig Schwierigkeiten haben:

 

  1. Metaphern und Symbole in biblischen Texten werden nicht als eigenständige religiöse Sprachform erkannt. Wenn Jesus z.B. im Boot mit seinen Jüngern über den See Genezareth fährt und Sturm aufkommt, kann man z.B. den See, das Boot und die Jünger in dieser Erzählung durchaus auch symbolisch und metaphorisch verstehen.
  2. Es überwiegt bei den Schülerinnen und Schülern ein eindimensionales Wirklichkeitsverständnis. Verschiedene Zugänge zur Wirklichkeit sind unbekannt. Es gibt nicht nur den naturwissenschaftlichen Wirklichkeitszugang, der sich methodisch auf das Messbare, Wiederholbare und Zählbare beschränkt.
  3. Religiöse Aussagen z.B. zu Jesus werden rein historisch betrachtet. Jesus bleibt dabei eine Figur der Vergangenheit. Was hat Jesus Christus für mich heute zu bedeuten?
  4. Eigene lebensweltliche Erfahrungen können nur bedingt mit Hilfe der biblischen Tradition modelliert werden. Was bedeutet z.B. das Ostergeschehen für mich angesichts der Erfahrungen des Sterbens und des Todes?

Ein gesegnetes und behütetes Schuljahr 2021/22 wünsche ich Ihnen. Bleiben Sie alle bewahrt an Leib und Seele!

Vielen Dank für Ihren Dienst!

Mit herzlichen Grüßen

Martin Schwarz