Evangelisches Schuldekanat Adelsheim - Boxberg und Mosbach
Herzlich willkommen auf den Seiten des Evangelischen Schuldekanats Adelsheim-Boxberg und Mosbach > Rundbrief zum Schuljahr 2018/19

Rundbrief zum Schuljahr 2018/19


„Aber der HERR verstockte das Herz des Pharao….“ Ex. 10, 27

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum Ende des Jahres 1942 verfasste der Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer einen persönlichen Rückblick mit dem Titel „Nach zehn Jahren“. Für mich sind dies Worte, die in verwirrenden Zeiten Klarheit schenken.

Aus den Überlegungen Bonhoeffers möchte ich zum Schuljahresbeginn einen Aspekt herausgreifen: Bonhoeffers Gedanken zur Dummheit, die m.E. viel mit dem alttestamentlichen Begriff der Verstockung zu tun haben.

Dummheit ist für Bonhoeffer gefährlicher als das Böse. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen und es lässt sich mit Gewalt verhindern. Aber „gegen die Dummheit sind wir wehrlos.“ Niemals lässt sich die Dummheit durch Gründe überzeugen; es „ist sinnlos und gefährlich.“

Dummheit hat übrigens nicht mit intellektueller Insuffizienz zu tun; auch ein kluger Mensch kann dumm werden. Dummheit raubt dem Menschen seine innere Selbständigkeit. Der Dumme ist verblendet und in seinem eigenen Wesen missbraucht. So wird der Dumme zu einem letztlich willenlosen Instrument; zu allem Bösen fähig und unfähig das Böse zu erkennen. Mit anderen Worten: das Gute erscheint ihm Böse und umgekehrt.

Woran erkennt man die Dummheit? Nach Bonhoeffer spürt man diese im Gespräch mit den von Dummheit geschlagenen Menschen…“man spürt, dass man es nicht mit ihnen selbst, sondern mit über ihnen mächtig gewordenen Schlagworten und Parolen zu tun hat. Bei Dummheit hilft kein irgendwie gearteter Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung.“„Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Ps. 111,10) sagt, daß die innere  Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche  Überwindung der Dummheit ist.“

 Vor allen didaktischen und methodischen Überlegungen ein eigenständiges Denken bei unseren Schülerinnen und Schülern anzubahnen, müssen wir – so meine ich – immer aus Neue in die persönliche Begegnung mit dem lebendigen Gott mit der Bitte des Vater-unsers: „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“Für mich ist dies eine Bitte, dass wir und die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler nicht der Dummheit verfallen und die Zeitgeister – von welcher Seite auch immer - nicht über uns mächtig werden. Das sind keine frommen Worte und Übungen, sondern gerade in unseren Tagen wieder der Ruf nach wahrer Freiheit und einem klaren Blick.

Ein gesegnetes und behütetes Schuljahr 2018/19 wünsche ich Ihnen! Vielen Dank für Ihren Dienst!

 

Mit herzlichen Grüßen

Martin Schwarz